CRUFTS Obedience World Cup 2010 - ein Rückblick
Nun war es soweit - die Monate, Wochen und Tage bis zum Crufts Obedience World Cup waren verflogen. Noch war für mich alles unrealistisch. Summers Läufigkeit machte es unmöglich, dass Volker mich begleiten konnte aber mit Sabrina hatte ich mentale Unterstützung dabei. Neben einigen Terminen verbrachte ich den Donnerstag mit Packen. Abends traf Sabrina ein, damit wir in der Nacht zum Freitag starten konnten.Freitag, 12.03.2010
Als es dann um 2.00 h losging war das Wetter eher unfreundlich, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen machten die ersten 300 km etwas anstrengend dann lief es. Unsere Fähre um 9.50 h haben wir gut erreicht. Kurzes Luftanhalten bei der Kontrolle von Pipers Papieren dann ging es über den Ärmelkanal. Auf der Fähre trafen wir dann auf ein paar Peiner Eulen auch auf dem Weg zur Crufts - die Welt ist ein Dorf! In England gelandet durfte Piper seine Papiere ein zweites Mal vorzeigen, dann ging es in Richtung Birmingham. Unser Timing war gut und der Verkehr lief. Um 14.30 h waren wir dann auf der Crufts. Überwältigend. Obwohl es für mich ja nicht der erste Besuch war, bin ich noch jetzt erschlagen von den Eindrücken. Susi, Domi, Tanja und Olli haben wir direkt getroffen. Die vier haben schon den ganzen Tag auf der Crufts verbracht, für uns ging es direkt ins Getümmel der 5 riesigen Hallen angefüllt mit allem was das Hundeverrückten- Herz erfreut. Nach 1 1/2 Std haben wir dann völlig reizüberflutet kapituliert und uns auf den Weg zum Hotel gemacht. Nach knapp 20 min. mit dem Auto waren wir da und sind gleich Andrea und Anton in die Arme gelaufen. Andrea wollte mit Djin auf dem Parkplatz trainieren und ich habe mich mit Piper direkt angeschlossen. Gemacht habe ich nicht viel, nur ein bisschen Heelwork, Distanzkontrolle und Geruch, alles mit viel Belohnung. Ich glaube Piper kam es sehr entgegen sich nach dem ganzen Tag im Auto noch ein bisschen zu bewegen! Abends haben wir uns als Team zum Essen ins Spicy Buffet verabredet. Das Navi hat uns zwar auf die richtige Strasse gebracht, aber das Restaurant zu finden war ein Akt. Nach unendlichem Gegurke durch Birmingham und der nahe liegenden Entscheidung doch einfach zu McDonalds zu gehen haben wir dann doch noch den Weg gefunden. Das Essen war sehr sehr scharf aber reichlich und ich mittlerweile völlig k.o.. Zum Glück konnte Sabrina mich solange wach halten, bis wir zurück im Hotel waren...Samstag, 13.03.2010
Geschlafen habe ich sofort, aufgewacht sind wir zeitig. Nach einer erfrischenden Dusche, Frühstück und Treffen mit Sabrinas Freund Jan, der momentan in England ist, ging es dann wieder zum NEC. Den geeignetsten Parkplatz zu finden war gar nicht einfach; der Weg zum Eingang immer ziemlich lang und die Parkgebühren saftig (8 GBP pro Tag und Auto)!!! Piper durfte Morgens erstmal mit um schon mal ein bisschen die Athmosphäre kennen zu lernen - nach Wochenlangen einsamen Training ist das ja schon was anderes. Die Obedience Championships sind Englisches Obedience vom feinsten - Gänsehaut vorprogrammiert, wenn man auch schon Unterschiede zwischen den einzelnen Teams sieht. Einen durchweg so hohen Standard gibt es in Deutschland einfach nicht! Mittags durfte Piper wieder ins Auto und wir sind nochmal ein bisschen durch die Hallen geschlendert. Vorbei bei Discover Dogs und kurzem Schnack mit Bob Tunnicliffe (Littlethorn). Ich hatte die Hoffnung dort noch mein Border Collie Jahrbuch zu bekommen. Dann einen Abstecher in die große Arena wo das Internationale Dogdance Turnier lief. Es ist schon gewaltig, was Hund und Mensch im Zusammenspiel zu leisten im Stande sind und das Ganze sieht dabei noch federleicht aus! Besonders Richard Curtis hat mich mit seiner Vorführung begeistert. Zurück am Obedience- Ring folgten mit den Stays und dem Scent die letzten Übungen. Diese Übungen an den Schluss zu legen macht das Finale richtig spannend und wir haben richtig mitgefiebert!
Am Obedience- Ring haben wir auch das holländische und belgische Team getroffen. Als die Ausstellungsringe sich leerten nutzen wir den Platz für ein Last- Minute- Training. Ich war natürlich sehr gespannt darauf, ob unser Training nun wirklich Früchte getragen hat und war super- Glücklich über das Lob von Angela und Trudy. Ich entschloss mich an Heelwork, Sendaway, Distanzkontrolle und dem Apport über die Hürde zu arbeiten. Zum Glück stand eine Hürde vom Nordirischen Team zur Verfügung und so konnte Piper nochmal auf Teppich springen (und ich Werfen!!!). Außerdem konnten wir nochmal das Sit-Stay mit einer größeren Gruppe Hunde üben.
Jetzt gab es auch die letzten Ergänzungen zu unserer World Cup Ausrüstung, das türkis- schwarze Tuggle und die Leine in der gleichen Farb- Kombi von Angela.
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Ich war sehr sehr zufrieden mit unserem Training. Die Fortschritte in der Heelwork machen mich sehr stolz und ich habe einige super Tipps im Gepäck wie wir uns weiter verbessern können.
Gegessen haben wir gemeinsam mit Andrea und Anton im Hotel Restaurant: Super lecker und reichlich. Dann gab' s ein Team- Meeting in der Bar um alles für den großen Tag zu besprechen. Wirklich spät wurde es nicht, denn schließlich sollte der Tag morgen früh losgehen.Sonntag, 14.03.2010
Auf das Frühstück im Hotel habe ich ob der frühen Stunde verzichtet und mich gleich auf den Weg zum NEC gemacht, so dass der erste Teil unseres Teams pünktlich um 7.30 h an den Benches war. Die tristen Bänke, die den Hunden für den Tag als Ruheplätze zur Verfügung standen verwandelten sich in Kürze in mit Karten, Glücksbringern und Fähnchen geschmückte Flächen. Wir hatten für die Hunde und unsere Klamotten reichlich Platz zur Verfügung und konnten auch wenn wir in den Ring guckten trotzdem die Benches im Auge behalten. Das gegenseitige Verteilen von Glückwunschkarten finde ich eine sehr schöne Tradition. Auch wir waren gut vorbereitet und hatten für jeden Teilnehmer eine Karten mit Apportel- Schlüsselanhänger und Good- Luck- Hundekuchen dabei, die wir als Team verteilt haben. Zeitlich war der Tag gut durchgeplant. Gleich morgens haben wir ein Heftchen bekommen in der die Richterin nochmal den Ablauf der Übungen beschrieben hat, in dem die Heelwork- Folge aufgezeichnet war und die Position der einzelnen Übungen vermerkt war. Losgehen sollte es mit dem Richtungsapport, dann Heelwork, Sendaway, Abrufen mit DC und Apport über die Hürde. Der Ablauf wurde auch noch einmal vom Steward mit einem Handler ohne Hund für die Teilnehmer vorgestellt.
Der offizielle Teil begann dann mit dem Einmarsch der Nationen mit Fahne und eingespielter Nationalhymne. Die professionelle Aufmachung und Begrüßung war ein wunderschönes und unvergessliches Erlebnis. Selbst zu diesem Zeitpunkt kam mir alles noch so unrealistisch vor. Ich konnte nach wie vor noch nicht fassen, dass Piper und ich wirklich Teil dieses Events sein würden.
Kurz vor meinem Start besuchte Alison mich an der Bench. Ich habe mich riesig gefreut sie nach über einem Jahr wieder zu sehen und dass sie bei unserem Crufts Auftritt dabei sein würde! Gerade noch rechtzeitig trafen dann auch Sabrina und Jan am Obedience- Ring ein. Ich war bereits am Vorbereitungsring, ich hätte gerne noch ein wenig gewartet, aber um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten sollte ich schon in der Nähe bleiben. Glücklicherweise kümmerte sich Angela dann um meine Vorbereitung so dass ich das Kribbeln im Bauch etwas unter Kontrolle bekam - und dann war es soweit...
An der Leine ging es zum Startpunkt für den Richtungsapport. Ich hatte natürlich das mittlere Apportel ausgelost. Die Stewardansagen waren anfangs etwas ungewohnt aber umdrehen, vorbereiten klappten gut, Piper hatte erst zum linken Apportel geschielt, dann aber fest das mittlere im Blick. Er lief schön raus, nahm das mittlere direkt auf und lief damit zum Linken... leider habe ich nicht sofort geschaltet und nicht geholfen, so hatte Piper ein wenig Zeit sich über die vielen Apportel zu freuen... Auf dem Video sieht man schön wie ich lache als die Übung vorbei ist, da sind schon einige Punkte weg, aber Piper hat schon mal gezeigt, dass er viel Spaß hat (vielleicht hätte ich das Apportieren gestern doch nochmal machen sollen?). Vielleicht hatte für Piper die Prüfung auch noch nicht richtig angefangen... Die Heelwork war insgesamt betrachtet sehr sehr schön, Piper hat seine neue Position super gehalten und hatte nur zwischendurch ein paar Hakler und einmal geniest ;-). Das Sendaway war perfekt, vielleicht einen kleinen Frühstart beim Abrufen in die Fußposition. Abrufen mit Stop und DK war ebenfalls super, Platz auf dem Punkt und nur ein kleiner Frühstart ins Platz aus dem Sitz. Die Positionswechsel waren perfekt!!! Apportieren über die Hürde war wieder eine sehr sehr schöne Übung, kleiner Frühstart ins Finish, aber das ist ja ein 'schöner Fehler'. In den letzten drei Übungen haben wir nur 3,25 Pkt. verloren, das konnte mit den Besten mithalten!
Trotzdem musste der Druck nach unserem Lauf irgendwie raus und es flossen ein paar Tränen, alle waren da und haben gratuliert, nicht nur bekannte Gesichter sondern sogar prominente Gratulanten aus England, die unser Lauf gerührt hat und die sehr viel Potential sehen. Das tröstet und gibt ganz viel Mut und Selbstbewusstsein für die Zukunft. Wir sind auf dem richtigen Weg! Piper, der mit mir jeden Schritt in Richtung wettkampfmäßigen Obedience gegangen ist, viele Punkte gerettet hat und nun auch auf der Crufts bewiesen hat, dass es häufig um mehr geht als um die zum Schluss errungene Punktzahl!!! Ich habe unseren Lauf genossen und ich weiß jetzt wie es sich anfühlt! Hier wollen wir wieder hin und beweisen, das unsere Leistung noch steigerungsfähig ist!
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Nach unserem Lauf hatten wir erstmal ein bisschen Zeit für uns. Bis zu Susi und Brianna' s Lauf war ja noch ein bisschen Zeit. Piper hat sich erstmal eine riesen Belohnung verdient und freute sich über zwei GROSSE Brocken Leberkuchen und konnte sich danach mit einem Apfel beschäftigen. Viele Zuschauer haben sich köstlich amüsiert, wie er auf seiner Bench lag. Sehr angenehm war Ring und Bench gleichzeitig im Auge behalten zu können!
Susi und Brianna haben gezeigt, wie viel Spaß man im Ring haben kann. Susi hat es mir nachgetan und auch das mittlere Apportel gelost - wie erstaunlich viele Wettkampfteilnehmer nach uns. Auch Brianna hat viele Punkte bei dieser Übung liegen lassen. Ansonsten haben die beiden eine hochmotivierte Vorführung gegeben, die uns stolz machen konnte!
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Die Mittagspause haben wir dann dazu genutzt die nötigsten Einkäufe zu erledigen, wir hatten uns ja schon vorher ein Bild davon gemacht, wo wir was bekommen. Das man nie genug Geld dabei hat um alles zu kaufen, dass es wert wäre muss ich hier wohl nicht erwähnen... 'Nebenbei' konnten wir an der großen Leinwand verfolgen, wie GB Ag.Ch. Bekkis Carbon Copy das Crufts AC gewinnen konnte!
Am Nachmittag hatten Domi und Indy dann ihren großen Auftritt. Domi hatte NICHT das mittlere Apportel gelost und konnte als einzige Deutsche diese Aufgabe ohne größeren Abzug bewältigen! Der Rest der Vorführung gelang auch sehr gut (und das obwohl Indy dafür bekannt ist sehr kreativ mit mancher Übung umzugehen!). Ich beneidete Domi nicht um den letzten Startplatz. Sie musste so lange auf ihren Start warten - das müssen die Nerven erstmal mitmachen!Nachdem alle Teams mit dem ersten Prüfungsteil fertig war folgte das Sit- Stay. Schon als die Übung vorbereitet wurde wurde mir etwas mulmig - die Schilder standen SEHR nah beieinander. Die Sitz- Bleib Übung wird ja von allen 36 World Cup Teilnehmern gleichzeitig absolviert, was hieß, dass zwischen den einzelnen Hunden gerade einmal 50 cm Platz waren!
Entsprechend war ich natürlich heilfroh als Piper nach den 3 Minuten immer noch brav an der Stelle gesessen hat, an der ich ihn zurückgelassen hatte! Das Photo zeigt das Zurückkommen zu den Hunden, während der Übung haben alle Handler den Ring verlassen.
Letzte Übung des World Cups war die Geruchsunterscheidung. Die Tücher waren auf zwei halben Kreisbögen ausgelegt (wie man einen Vogel am Horizont malt) mit dem Handler- Tuch auf dem linken Bogen und dem Decoy auf dem Rechten. Piper hat vorbildlich gesucht, wollte zweimal das richtige Tuch aufnehmen und hat jedes mal mit der Pfote draufgestanden! Beim dritten Versuch hat er es dann nehmen können und sehr schön präsentiert. Auch Brianna und Indy haben die Übung sehr schön gemeistert!
Nach allen Übungen standen tatsächlich drei Teilnehmer mit Punktgleichstand auf dem ersten Platz so dass es ein Stechen um den ersten Platz geben musste. Piper hat sich übrigens während des Tages in Briannas kleines rosa Plüschschwein verliebt und wünscht sich seit dem nichts sehnlicher ;-)
Gesiegt hat schließlich Nord- Irland im Team und Steven Vannieuwenhuyze aus Belgien mit Bytchek Esquire in der Einzelwertung. Die Siegerehrung mit Einmarsch aller Nationen, Richter und Helfer fand im Obedience Ring statt. Die Präsentation in der großen Arena fiel wegen der Zeitverzögerung leider aus. Es war aber trotzdem sehr emotional und wunderschön aufgemacht. Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden mit unserer Leistung und vor allem wie arbeitsfreudig und motiviert wir unsere Hunde präsentiert haben. Der Team- Spirit war perfekt. Andrea war auch weit mehr als 'nur' Ersatzstarterin, sie hat sich zusammen mit Tanja den ganzen Tag um uns gekümmert und für gute Stimmung gesorgt.
Als alles vorbei war sind wir nach ein paar Wegfindungswirren gerade noch in Halle 1 gekommen und konnten uns auf der Großbildleinwand erst Mary Ray mit ihrer Freestyle Vorführung ansehen und dann das Best in Show Finale sehen, dass, so denke ich, auf der Welt seinesgleichen sucht.
Zurück im Hotel ist Piper sofort erschöpft eingeschlafen. Sabrina und ich mussten den aufregenden Tag noch Revue passieren lassen bis wir wirklich zur Ruhe gekommen sind.Montag, 15.03.2010
Unser Rückreisetag... Nach dem Packen und einem leckeren englischen Cooked Breakfast ging es wieder in Richtung Heimat. Die Autobahn war nicht so ganz frei, so dass uns das Navi ein bisschen die Gegend gezeigt hat. An London vorbei und dann lief es bis Dover und wir hätten sogar unsere Fähre noch erwischt, wenn wir nicht vorher 20 min. lang auf Bomben durchsucht worden wären (wie im Film mit Spiegel unter dem Auto und im Motorraum...). Also hatten wir beim Warten auf die nächste Fähre noch so viel Zeit, dass Piper fressen konnte und wir uns die Beine vertreten konnten.
Zurück auf dem Kontinent lief dann der Verkehr und die Zeit wurde kurz mit dem Reflektieren der ganzen Ereignisse der letzten Tage...